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5. Rundgang

Das Fraumünsterquartier – vom Kloster- zum Geschäftsbezirk


0100-Stadtplan 5Hirschenplatz – Limmatquai – Münsterbrücke – Stadthaus – Stadthausquai – Frauenbad – Bauschänzli – Börsenstrasse – Fraumünsterstrasse – Poststrasse – Münsterhof – Wühre – Weinplatz – Gemüsebrücke – Limmatquai – Rosengasse – Hirschenplatz


Die Stadtbehörden sind auch im Fraumünsterquartier zugegen. Im Zürcher Stadthaus residiert nicht nur der Zürcher Stadtpräsident, hier tagt zudem der Zürcher Stadtrat, die städtische Exekutive. Aber auch Freud und Leid der Bürgerinnen und Bürger werden in diesem repräsentativen Bauwerk auf dem Papier und am Bildschirm erfasst. Im Stadthaus werden hoffnungsvolle Ehen geschlossen, herbeigesehnte und auch andere Geburten angemeldet und der letzte Weg in würdiger Form in die Wege geleitet. Die kulturbewussten Zürcherinnen und Zürcher sehen im Stadthaus aber auch die Wiege einer engagierten städtischen Kulturpolitik, die seit der Nachkriegszeit Musik, Literatur, Theater, Museumsbetriebe, Stadtgeschichte und vieles mehr engagiert fördert. Als Ausdruck dieser vielfältigen Kulturpolitik finden regelmässig kostenlos zugängliche Ausstellungen in den Arkadenumgängen des Stadthauses statt. 

0110-Stadthausquai-Zimmer115-Hotel-Adler-ZurichDas etwas kühle und gleichzeitig elegante, im Stil der Neurenaissance gestaltete Stadthaus wurde in den Jahren 1898 bis 1900 unter der Ägide des bereits im Zusammenhang mit den Amtshäusern dargestellten Stadtbaumeisters Gustav Gull (vgl. S.41) erbaut. Die grosse Halle und die Arkadenumgänge, über welche die oberen Geschosse erschlossen sind, strahlen verhaltene Grosszügigkeit und den Geist einer selbstbewussten Metropole aus, denn Neu-Zürich verstand sich seit der Zeit der Stadtver­einigung im Jahre 1893 durchaus als Grossstadt.

Spuren der Fraumünsterabtei

An der Stelle des Stadthauses befanden sich verschiedene, aus dem Mittelalter stammende Gebäude der Fraumünsterabtei. Die Fraumünsterkirche – heute Pilgerstätte für die Anhänger des Künstlers Marc Chagall (1887–1987) aus nah und fern – erinnert an den einst weitläufigen Klosterbezirk der Fraumünsterabtei zwischen Münsterhof und See, welche seit ihrer Gründung durch Ludwig den Deutschen im Jahre 853 adeligen Damen vorbehalten war. Jedenfalls bis zur Auflösung der Klöster auf Veranlassung des streitbaren Zürcher Reformators Huldrych Zwingli im Jahre 1524.

0120-Stadthaus-Zimmer405-Hotel-Adler-ZurichZum malerischen Ensemble gehörte gegen die Limmat hin auch ein Musiksaal, den die musikfreudigen Zürcher 1717 errichtet hatten. Zwing­lianische Verhaltenheit hatte – wie könnte es anders sein – zu einem ­zurückhaltenden architektonischen Auftritt gegen aussen geführt. Im ­Innern hingegen hatten die Zürcher barocke Baukunst zelebriert, zwar nicht überschwenglich, aber immer­hin festlich. Gustav Gull, der unmittelbar zuvor den Bau des Schweizerischen Landesmuseums beim Bahnhof verwirklicht hatte und über grosse Erfahrung in der Wiederverwendung historisch bedeutender ­Interieurs in neuen Gebäuden verfügte, erkannte die künstlerische ­Bedeutung dieses altehrwürdigen Musiksaals und liess die wertvolle Stuckdecke mit Malereien des Zuger Künstlers Johannes Brandenberg (1661–1729) sorgfältig demontieren und im dritten Geschoss des Stadthauses wieder einbauen. Die Bezeichnung «Musiksaal» wird bis auf den heutigen Tag verwendet.
Gustav Gull, den man als frühen Denkmalpfleger bezeichnen darf, entwickelte auch eine harmonische Lösung für die Verbindung zwischen Stadthaus und Fraumünsterkirche, dem einzigen Bauwerk, das von der ehemaligen Abtei erhalten geblieben ist. Unter teilweiser Benutzung von originalen Teilen des Kreuzganges schuf er eine attraktive Passage zwischen Fraumünsterstrasse und Stadthausquai. Die Fresken, welche unter anderem die Gründungsgeschichte des Fraumünsters erzählen, wurden vom Zürcher Kunstmaler Paul Bodmer (1886–1983) in der Zwischenkriegszeit verwirklicht. Sie waren Teil eines vorbildlichen Arbeitsbeschaffungsprogrammes der Stadtverwaltung für arbeitslose Künstler.

Am Stadthausquai

Der Stadthausquai mit seinen durchwegs markanten Bauten (Stadthaus, Fraumünsterpost und Geschäftshaus «Metropol») ist eine Schöpfung des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Im Fraumünsterquartier übte sich die aufstrebende Stadt erstmals in der Stadtplanung. Als sich Zürich mit Blick auf die Gründung des Bundesstaates im Jahre 1848 darum bemühte, Sitz der Bundesverwaltung zu werden, schlugen die Stadtväter als Bauplatz für das künftige Bundeshaus das Gebiet der späteren Stadthausanlage vor. Die Hoffnungen zerschlugen sich jedoch, und das zentral gelegene Bern trug schliesslich den Sieg davon.

0130-Limmat-Zimmer214-Hotel-Adler-ZurichSpätestens 1858 war für die Zürcher klar, dass die Bauten der Fraumünsterabtei und das verträumte Kratzquartier zwischen Fraumünster und See dem Neuen in absehbarer Zeit zu weichen hatten. Die grossen Architekten jener Zeit – unter ihnen der europäische Stararchitekt Gottfried Semper (1803–1879) – erhielten den Auftrag, ein neues Quartier mit einer grosszügigen Park- und Platzanlage zu planen. Mittelpunkt des neuen Quartiers sollte ein Stadthaus sein, welches der Limmatstadt zur Ehre gereichen würde. Noch war der Bau von Quaianlagen kein Thema. Der zukunftsträchtigen Lage des Quartiers und des einmaligen Blicks auf See und Alpen aber waren sich die Planer bewusst.
Zürich hat in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts primär an zwei Orten wichtige grossstädtische Zeichen gesetzt. Zum einen mit der Planung und dem Bau der Bahnhofstrasse und des Bahnhofquartiers, welches auch einen Teil der Löwenstrasse umfasst. Zum andern mit der Stadterneuerung im Fraumünsterquartier. Die Haltung der Behörden sorgte für günstige Voraussetzungen für unternehmerische Bauherren.
Während die auf private Initiative hin erstellten Wohn- und Geschäftshäuser zwischen Fraumünster- und Bahnhofstrasse bereits in den 1870er und 1880er Jahren die verwinkelten Altstadthäuser ablösten, zögerten die haushälterisch gesinnten Stadt­väter lange mit der Umsetzung ihrer eigenen und im Kern weitsichtigen Planungsideen. In den Jahren 1883 bis 1884 entstand zwar an der Ecke Fraumünsterstrasse/Kappelergasse ein neues Gebäude für die Stadtverwaltung, welches heute Teil des Stadthauses ist. Doch erst rund 15 Jahre später wurde mit dem Bau des Stadthauses, der Fraumünsterpost und weiteren markanten Bauten am Stadthausquai dem repräsentativen Anspruch der Stadt und ihrer obersten Behörden Rechnung getragen.
Der Bau des Stadthauses an der Limmat ist primär vor dem politischen Hintergrund der Stadtvereinigung von 1893 zu sehen. Damals wurden elf Vororte «eingemeindet»: Aussersihl, Enge, Fluntern, Hirslanden, Hottingen, Oberstrass, Riesbach, Unterstrass, Wiedikon, Wipkingen und Wollishofen. Die Bevölkerung verfünffachte sich durch den Akt des Zusammenschlusses Zürichs mit diesen Gemeinden. Das neue Selbstverständnis der Zürcher war von der Idee einer zentralen Verwaltung bestimmt. Bald schon sollte das grosszügig konzipierte Stadthaus in Anbetracht der starken Zunahme der Bevölkerung und der immer neuen Aufgaben der Verwaltung den Ansprüchen nicht mehr gewachsen sein. Zwischen Lindenhof und Werdmühleplatz wurde daher schon wenige Jahre nach der Eröffnung des Stadthauses jenes städtische Verwaltungsviertel ins Auge gefasst, das im Rahmen des vierten Rundgangs beschrieben wurde (vgl. S.40).

Das Frauenbad

0140-Frauenbad-Zimmer402-Hotel-Adler-ZurichBadefreuden lassen sich in Zürich seit dem 15. Jahrhundert nachweisen. Baden im See oder in der Limmat war allerdings lange Zeit ein Privileg des männlichen Geschlechts. Spezielle bauliche Einrichtungen zum Zwecke des Badens waren bis ins 19. Jahrhundert unbekannt. Die älteste Zürcher Badeanstalt, welche Schutz vor neugierigen Blicken bot, wurde im Jahre 1837 eröffnet und war dem weiblichen Geschlecht vorbehalten. Sie befand sich südlich des Bauschänzlis. Bei dem heute noch bestehenden Frauenbad am Stadthaus­quai handelt es sich um eine sogenannte «schwimmende» Vierflügelanlage mit Mittel- und Eckpavillons im Schweizer Holzstil – mit orientalischen Elementen. Die Badeanstalt entstand in den Jahren 1888–1892 und ist das Werk des damaligen Stadtbaumeisters Arnold Geiser (1844–1909). Eine ähnliche Anlage unterhalb der Rudolf Brun-Brücke wurde 1950 abgebrochen; jene am Stadthausquai hingegen wurde nach denkmalpflegerischen Grundsätzen renoviert und stellt heute eine architektonische Attraktion der ganz besonderen Art dar.
Arnold Bürkli-Ziegler (1833–1894), der Schöpfer der Zürcher Quaian­lagen (vgl. S.56), äusserte sich 1883 zu den Vorteilen schwimmender ­Badeanstalten: «Eine schwimmende Badeanstalt wird gerade darum schwimmend erstellt, um möglichst niedrig zu sein. Die Fassaden müssen daher im Verhältnis zur Höhe übermässig lang sein ....» Als praktischer Vorteil kam hinzu, dass sich schwimmende Anlagen dem jeweiligen Seestand anpassten, während Badeanstalten auf Holzpfeilern den höchstmöglichen Wasserstand berücksichtigen mussten. Im Hinblick auf die hohen ästhetischen Anforderungen an die neuen Badeanstalten am See und in der Limmat hatte sich der Stadtrat von Zürich übrigens an die Weltstädte Triest und Venedig gewandt, wo schwimmende Badeanstalten bereits bestanden. Triest stellte Zürich Pläne seiner Badeanstalten zum Studium zur Verfügung.

Das Bauschänzli

0150-Bauschaenzli-Zimmer202-Hotel-Adler-ZurichDas Bauschänzli ist eine künstliche Insel und wurde im Jahre 1660 als Teil der barocken Stadtbefestigung im Limmatraum erstellt. Seine Funktion bestand darin, im Falle von kriegerischen Ereignissen den Zugang zur Limmat zu sichern und allenfalls zu verteidigen. Zusammen mit dem «Grendel», einem Wassertor für Schiffe im Limmattrichter, und einer doppelten Reihe Palisaden bildete das Bauschänzli eine wirksame Verteidigungslinie zwischen den beiden Ufern. Mit dem Aufkommen von Dampfschiffen auf dem Zürichsee wurde die einstige militärische Baute zur friedlichen Landungsstelle. 1842 wurden die Wälle auf dem Bauschänzli abgetragen und ein öffentlicher Platz mit Brüstungen erstellt. 1908 eröffnete der unternehmerische und originelle Wirt im Haus «Metropol», Eduard Krug (1840–1923), ­genannt «Papa Krug», ein Garten­restaurant auf dieser Limmatinsel.
Neben dem alten Botanischen Garten am Schanzengraben ist das Bauschänzli der letzte Zeuge der barocken Stadtbefestigung von Zürich. Im Verlaufe des Dreissigjährigen Kriegs (1618–1648) nahm der Rat von Zürich 1642 nach langem Zögern und gegen zahlreiche Widerstände den Bau der mächtigen Schanzenanlage in Angriff. Der Grund lag auf der Hand: Zwischen 1300 und 1600 war die Waffentechnik durch die Erfindung des Schiesspulvers revolutioniert worden. Die mittelalterliche Stadtmauer hätte den Bewohnern der Stadt im Ernstfall kaum genügenden Schutz geboten. Auf den Stadttürmen konnten keine schweren Geschütze in Position gebracht werden, und die Stadtmauern hätten feindlichen Geschossen wohl auch nicht lange Widerstand geleistet.
Mit dem Bau eines Schanzensterns um die gesamte Stadt schützte sich die Stadt, schuf aber gleichzeitig auch Raum für die bauliche Entwicklung. So entstanden im Talacker und in Stadelhofen im 17. und 18. Jahrhundert barocke Vorstädte. Bedauerlicherweise sind diese Quartiere und die meisten der sie einst prägenden Bauten von höchster kultur- und kunstgeschichtlicher Bedeutung im Verlaufe des 20. Jahrhunderts der wirtschaftlichen Entwicklung zum Opfer gefallen.
Was die Schanzen betrifft, so beschloss der Grosse Rat (heute Kantonsrat) bereits 1833, die mächtige Anlage zu schleifen. Militärisch hatte der Festungsgürtel seine einstige Bedeutung verloren. Politisch war er ein nicht mehr gewünschtes Symbol der alten Vorherrschaft der Stadt über die Landschaft. Und verkehrstechnisch ein Hindernis in einer Zeit, die im Zeichen der Öffnung, der Handelsfreiheit, aber auch des Reisens stand.

Das Haus «Metropol»

0160-Boersenstrasse-Zimmer209-Hotel-Adler-ZurichDie Börsenstrasse erinnert an die Anfänge des Finanzplatzes Zürich, denn 1880 wurde an der Bahnhofstrasse 3 die erste Zürcher Börse eröffnet. Besondere Beachtung verdient in diesem Strassenzug das Haus «Metropol» (Haupteingang Börsenstrasse 10), eine der elegantesten Schöpfungen des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Dieser Geschäftshauskomplex, bestehend aus fünf Häusern, ist ein beredter Zeuge der veränderten technischen Möglichkeiten und der stilistischen Freiheiten, die sich den gestaltenden Kräften der Belle Epoque anboten. Das Haus «Metropol», das 1893 vollendet wurde, unterschied sich konzeptionell durch die damals noch neuartige Rasterkonstruktion und die Verwendung von standardisierten und vorfabrizierten Bauteilen. Im Innern war das Gebäude – soweit nicht Spannweiten und Brandmauern der revolutionären Idee flexibler Raumgestaltung Grenzen setzten – frei nach den Bedürfnissen der jeweiligen Mieter unterteilbar. Von den ­tragenden Elementen traten an den ­Fassaden nur gerade die steinernen Pfeiler in Erscheinung. Glas- und ­Eisenelemente wurden zwischen den Pfeilern aufgehängt. Mit seinen auf Säulen ruhenden Rundbogen erinnert das Haus «Metropol» im Bereich seiner durchgehenden Arkadenhalle an Bauwerke der italienischen Hochrenaissance. In den oberen ­Geschossen wiederum scheinen barocke Spielregeln zu gelten, wie etwa die imposanten Kolossalordnungen.
Nebst Ladengeschäften befand sich im Erdgeschoss des weitläufigen Baus das legendäre «Grand Café ­Metropol», das bis zu 600 Personen Platz bot. Die Gäste konnten wählen: Kaffeesaal, Speisesaal, Bierlokal oder auch Billardraum. Längst ist die ­Kaffeehausatmosphäre gewichen; das Haus «Metropol» dient heute vorab dem städtischen Steueramt als Sitz, doch beabsichtigen die Zürcher Stadt­behörden, sich mittelfristig aus dem repräsentativen Haus zurück­zuziehen. Von der ursprünglichen Innenausstattung zeugen lediglich noch die schmucken Treppenhäuser, die zusammen mit den Fassaden und der reich gestalteten Dachlandschaft in den Jahren 1988 bis 1992 restauriert worden sind.
Bauherr und Architekt in einer Person war Heinrich Ernst (1846–1916). Ihm verdanken die Zürcher unter anderem auch das prachtvolle «Rote Schloss» am General-Guisan-Quai. Der über Jahrzehnte hinweg erfolgreiche Promotor wurde in der Immobilienkrise um 1900 ein Opfer seiner Spekulationen und beendete seine Tage in Armut und Frömmigkeit.

Die Poststrasse

0170-Poststrasse-Zimmer303-Hotel-Adler-Zurich1838 wurde die Zürcher Poststelle von der Münstergasse an die Poststrasse verlegt. Mit dem Aufschwung von Handel und Fremdenverkehr schien es den Zürchern angezeigt, eine moderne und grosszügig dimensionierte Poststation ausserhalb der engen Gassen der Altstadt zu schaffen. Der gewählte Bauplatz war für die damaligen Verhältnisse verkehrstechnisch optimal gelegen. Denn in unmittelbarer Nähe, am Bauschänzli, legten seit 1835 auch die ­ersten Dampfschiffe an. Das Fraumünsterquartier schien somit als Verkehrszentrum wie geschaffen. Um die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde sogar ernsthaft erwogen, auch den Bahnhof an den Paradeplatz zu verlegen, um so die sich ergänzenden Verkehrsmittel Pferdepost, Eisenbahn und Dampfschiff für die Reisenden besser zu verknüpfen.
Die mustergültige Poststation mit Verwaltungsgebäude, Ställen, Remisen und Pferdetränke besass flächenmässig in etwa die gleichen stattlichen Ausdehnungen wie der heutige «Zentralhof». Rund 30 Postwagen sorgten im Postkutschenzeitalter täglich für reges Leben in der Poststrasse. Eilwagen bedienten alle wichtigen Destinationen der Schweiz. Aber auch Reisen von und nach Bayern, Sachsen oder Preussen, nach Frankreich, England, Italien, Spanien, Österreich oder sogar nach der Türkei nahmen hier ihren Anfang – oder eben ihr Ende.
Viele der in- und ausländischen Gäste stiegen gleich im gegenüber liegenden Hotel Baur en Ville (Savoy) ab. Das «Tagblatt der Stadt Zürich» veröffentlichte von 1837 bis 1876 täglich die Namen der bürgerlichen, manchmal sogar adeligen Gäste der Stadt und sorgte damit für Gesprächsstoff oder auch für Kontaktmöglichkeiten.
Als die Poststation eröffnet wurde, war es für die Zeitgenossen unvorstellbar, dass der Siegeszug der Eisenbahn schon wenige Jahrzehnte später das Ende der Pferdepost einläuten könnte. Und dennoch: rund 35 Jahre nach ihrer Einweihung wurde die Poststation geschlossen und an ihrer Stelle in den Jahren 1873 bis 1876 der «Zentralhof» mit 15 Wohn- und Geschäftshäusern erbaut.

Auf dem Münsterhof

0180-Muensterhof-Zimmer306-Hotel-Adler-ZurichDer Münsterhof – 1221 erstmals erwähnt – ist der grösste Platz der Altstadt links der Limmat. Ein kurzer Rückblick auf die Geschichte dieses Platzes fördert wechselnde Impressionen zutage. Im Mittelalter befanden sich hier die Hütten der Zürcher Steinmetze. Im Jahre 1504 wurde auf dem weiten Platz ein Passionsspiel aufgeführt, das in die Chroniken der Stadt einging: Das Schicksal der Zürcher Stadtheiligen Felix und Regula. Im Schatten des ehrwürdigen Frauenklosters wurden bis 1667 aber auch der Vieh- und der Schweinemarkt abgehalten. Seit dem Jahre 1627 standen hier zudem feste Krambuden. Von 1701 bis 1796 kannte der Münsterhof besonders betriebsame und fröhliche Tage, nämlich immer dann, wenn die beiden jährlichen Messen in der Limmatstadt abgehalten wurden. Auch in jüngerer Zeit dient der Platz den Zürchern, wenn Feste und Feiern angesagt sind. Der Zeitraffer gestattet nur einen Hinweis: Es geschah im Jahre 1946, dass Winston Churchill vom Balkon des Zunfthauses zur Meise die jubelnden Zürcher grüsste.
0190-Zur-Meisen-Zimmer308-Hotel-Adler-ZurichArchitektonischen Glanz verleihen dem grosszügigen Platz insbesondere die beiden Zunfthäuser «zur Meisen» und «zur Waag». Während das Zunfthaus «zur Waag» bei aller Stattlichkeit zwinglianische Bescheidenheit ausstrahlt, verbreitet das Zunfthaus «zur Meisen» mit seinem Ehrenhof und seinem schmiedeisernen Tor geradezu französische Eleganz. Im ersten Stock des Zunfthauses «zur Meisen» ist übrigens eine ständige Ausstellung des Schweizerischen Landesmuseums zum Thema der zürcherischen Porzellan-Manufakturen zu bewundern.

0200-Muensterbruecke-Zimmer215-Hotel-Adler-ZurichDie beiden Zunfthäuser stehen für eine Epoche, in der sämtliche ­politische und wirtschaftliche Macht in den Händen der Zürcher Zünfte ­lag: für die Zeit von 1336 bis 1798. Denn wer die Stadt mit solcher Machtballung regierte, baute in ­edlem Wettstreit auch die pracht­vollsten Gebäude an bester und ­zentralster Lage. Der politische ­Einfluss der Zünfte fand mit dem Untergang des Ancien régime ein jähes Ende. Doch sollten die Zünfte schon bald wieder im Rahmen einer neuen, von republikanischen Werten bestimmten Zeit eine Rolle spielen: als erfolgreiche Intendanten des ­Zürcher Sechseläutens, das mit ­seinem einmaligen Umzug alljährlich den Frühlingsbeginn markiert. Am Sechseläuten zeigt sich die Stadt nicht nur in ihrem festlichsten ­Gewande, sondern vor allem geschichts- und traditionsbewusst. 3000 kostümierte Zünfter defilieren durch die Strassen der Innenstadt, 300 Pferde drehen für wenige Stunden das Rad der Zeit zurück, zahlreiche Umzugswagen stellen sozusagen Bühnenbilder aus Zürichs Vergangenheit dar.